{"id":44,"date":"2021-12-17T13:22:03","date_gmt":"2021-12-17T13:22:03","guid":{"rendered":"https:\/\/von-anderen-medien.de\/?page_id=44"},"modified":"2025-09-12T22:14:10","modified_gmt":"2025-09-12T22:14:10","slug":"mimesis-tropical","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gregory.es\/index.php\/mimesis-tropical\/","title":{"rendered":"\u00bbMimesis Tropical\u00ab"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45\" style=\"width: 790px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-45\" class=\"size-large wp-image-45\" src=\"https:\/\/gregory.es\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ARSI-Paraq.-14-82b-83-Plano-tipo-Estes-30-povoados-estavam-desta-forma-1024x516.jpg\" alt=\"\" width=\"780\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/gregory.es\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ARSI-Paraq.-14-82b-83-Plano-tipo-Estes-30-povoados-estavam-desta-forma-1024x516.jpg 1024w, https:\/\/gregory.es\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ARSI-Paraq.-14-82b-83-Plano-tipo-Estes-30-povoados-estavam-desta-forma-300x151.jpg 300w, https:\/\/gregory.es\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ARSI-Paraq.-14-82b-83-Plano-tipo-Estes-30-povoados-estavam-desta-forma-768x387.jpg 768w, https:\/\/gregory.es\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ARSI-Paraq.-14-82b-83-Plano-tipo-Estes-30-povoados-estavam-desta-forma-1536x774.jpg 1536w, https:\/\/gregory.es\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ARSI-Paraq.-14-82b-83-Plano-tipo-Estes-30-povoados-estavam-desta-forma-2048x1032.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 780px) 100vw, 780px\" \/><p id=\"caption-attachment-45\" class=\"wp-caption-text\">\u00bbEstes 30 povoados estavam desta forma\u00ab, Idealplan einer Jesuitenreduktion, Archivum Romanum Societatis Iesu, Paraq. 14, 82b + 83.<\/p><\/div>\n<p><strong>Mimesis Tropical. Stile der Nachahmung in den brasilianischen Jesuitenmissionen<\/strong><\/p>\n<p>Das Projekt besch\u00e4ftigt sich mit dem Zusammenspiel mimetischer Praktiken in den brasilianischen Jesuitenmissionen des 16. und 17. Jahrhunderts. Auf der einen Seite interessiert es sich f\u00fcr das, was man als mimetischen Modus der Kolonialherrschaft bezeichnen kann; auf der anderen Seite geht es um die allgemeinere Frage, wie unterschiedliche Formen oder Artikulationen von Mimesis miteinander kommunizieren und sich transformieren k\u00f6nnen.<br \/>\nInnerhalb des jesuitischen Missionsunternehmens werden f\u00fcnf Schichten mimetischer Aktivit\u00e4t unterschieden: erstens die mimetischen Techniken der ignatianischen Spiritualit\u00e4t und der jesuitischen Erziehung, die das grundlegende ideologische Gep\u00e4ck jedes nach S\u00fcdamerika geschickten Missionars bildeten; zweitens die wesentlich von Jesuiten formulierte und getragene \u201apol\u00edtica cat\u00f3lica\u2018 des portugiesischen Kolonialregimes, die ein kompliziertes System der sozialen Platzanweisung und der Regulierung von Kommunikation darstellte; drittens die Neigung der Jesuiten zu listigen, \u201amachiavellistischen\u2018 Verfahrensweisen, die im Bereich der Mission\u00a0 eine eigene und von rivalisierenden Orden heftig bek\u00e4mpfte Strategie der mimetischen Anverwandlung an lokale Gewohnheiten, Lebensstil und Riten hervorbrachte; viertens die lokale Umsetzung dieses mimetischen Programms innerhalb der jesuitischen Missionsd\u00f6rfer (aldeias), die als komplexe Subjektivierungsapparate auf der Grundlage einer Mischung aus Disziplin und Verf\u00fchrung zu beschreiben sind; und, f\u00fcnftens, die Interferenzen und R\u00fcckwirkungen, die sich ergaben, sobald der mimetische Apparat der Jesuiten durch andere, insbesondere indigene mimetische Strategien herausgefordert wurden.<br \/>\nAnstatt, wie es in der Forschung meist der Fall war, die Untersuchung auf einen bestimmten Aspekt jesuitischer Mimesis (z.B. die Imitationspraxis der jesuitischen Kolonialarchitektur oder die Akkulturationsstrategien der Mission) zu beschr\u00e4nken, interessiert sich das Projekt gerade f\u00fcr die Beziehungen zwischen all diesen unterschiedlichen Formen von \u00c4hnlichkeit, Repr\u00e4sentation, Inkorporation, Assimilation, Simulation, Ausdruck, Werden etc. Erkenntnisleitend ist dabei die These, dass die &#8222;Familien\u00e4hnlichkeit&#8220; der jesuitischen Mimesis-Praktiken nicht die einer &#8222;Ideenfamilie&#8220; (Stephen Halliwell) ist, sie beruht eher auf der wechselseitigen Anziehung, auf der \u201aWahlverwandtschaft\u2018 der Interaktionen. Heuristisch kann eine Praxis als \u201amimetisch\u2018 angesehen werden, wenn sie auf eine andere mimetische Praxis reagiert, sie beeinflusst oder transformiert.<br \/>\nAnhand des reichen Materials, das die brasilianischen Jesuitenmissionen zur Verf\u00fcgung stellen, geht das Projekt der Frage nach, wie die unterschiedlichen Register des Mimetischen ineinandergreifen, welche Arten von &#8222;seltsamen und kreativen \u00dcbersetzungen&#8220; (Deleuze\/ Guattari) oder welche Arten von zerst\u00f6rerischen Wirkungen sich aus der transsemiotischen Verkettung verschiedener mimetischer Systeme ergeben k\u00f6nnen. Der Begriff des \u201aTropischen\u2018 scheint gut geeignet zu sein, um diese Untersuchung anzuleiten. Roland Barthes hat darauf hingewiesen, dass in der antiken Rhetorik eine Trope als eine Bewegung der Ersetzung (&#8222;Substitution&#8220;) und Transformation (&#8222;Konversion&#8220;) verstanden wurde. So bezieht sich der Titel &#8222;Mimesis Tropical&#8220; nicht nur auf eine Mimesis, die in den Tropen stattfindet; er bezieht sich auch auf die \u201aTropen\u2018, die Transformationen oder Umwandlungen, die zwischen den verschiedenen Formen oder Figuren der Mimesis stattfinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mimesis Tropical. Stile der Nachahmung in den brasilianischen Jesuitenmissionen Das Projekt besch\u00e4ftigt sich mit dem Zusammenspiel mimetischer Praktiken in den brasilianischen Jesuitenmissionen des 16. und 17. Jahrhunderts. 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